Systemische Aufstellung in der Kinesiologie
Im Dezember letzten Jahres durfte ich an einer tollen Weiterbildung an der APAMED Fachschule teilnehmen. Viele kennen den Begriff Familienstellen oder Familienaufstellung – doch was genau, kann man sich den nun unter dem Begriff vorstellen?
Die Systemaufstellung
Mit der systemischen Aufstellungsarbeit werden Verbindungen zu beispielsweise Menschen, Zielen und Gefühlen gemäss dem inneren Bild sichtbar. Das was im Innern vorhanden ist, wird also im Aussen dargestellt und kann betrachtet werden. Wie im Innen so im Aussen.
Ganz nach dem kosmischen Gsetz. In einem System hängen alle Faktoren voneinander ab.
Das hat zur Folge, dass sich mehr oder weniger alle Teile im System verändern, wenn auch nur ein kleiner Teil im System sich ändert. Wenn sich also dein Bild im Aussen verändert, kann sich das Bild auch in dir wandeln und eine Veränderung wird möglich.
Um das innere Bild nach Aussen zu bringen, werden sogenannte Stellvertreter verwendet. Stellvertreter können beispielsweise Figuren und Plüschtiere sein. Damit du dir das etwas besser vorstellen kannst, hier ein Beispiel:
Ich habe Angst, vor einer grossen Ansammlung von Menschen zu sprechen. Mein Herz fängt wie wild an zu schlagen und ich kriege fast keine Luft mehr. Mein Ziel ist es, mutig meine Worte zu sprechen.
Folgend wähle ich die Stellvertreter:
Plüschtier Katze: Stellvertreter für MICH
Plüschtier bellender Hund: Die grosse Menschenansammlung
Plüschtier Giraffe: Mutig sein (meine Worte sprechen)
Plüschtier roter Papagei: Mein wild pumpendes Herz
Diese Plüschtiere oder eben die sogenannten Stellvertreter können nun mit verschiedenen Aufstellungsarten im Aussen aufgestellt werden.
Foto von JOSHUA COLEMAN auf Unsplash
Die Aufstellungsarten
Im Kurs habe ich folgende Arten kennengelernt:
1. Freie Aufstellung
Die Stellvertreter können frei und intuitiv von dir aufgestellt werden. Du hast die Wahl, welchen Platz die Stellvertreter erhalten. Bei der freien Aufstellung werden nochmals zwei Möglichkeiten unterteilt:
1.a.) Blick des Klienten: Freies Aufstellen des Themas und der inneren Anteile
1.b.) Blick der Klienten: Freies Aufstellen der Kern- und Urpsrungsfamilie
Bei beiden Varianten werden frei heraus die Stellvertreter von dir aufgestellt. Zuerst betrachtest du die Platzierung von Aussen. Lässt es auf dich wirken. Wie fühlt es sich für dich an? Welche Gedanken und Gefühle tauchen auf? Danach stehst du auf das Feld deines Stellvertreters. Wie wirkt es nun auf dich? Ist es dir zu nahe? Oder sind alle anderen zu distanziert? Welche Gefühle tauchen auf?
2. Aufstellung mit dem Schachbrett
Das Schachbrett gibt uns die Möglichkeit, einfach und schnell mit dem Muskeltest herauszufinden, auf welche Position der jeweilige Stellvertreter gestellt wird. Auch hier gibt es drei verschiedene Varianten:
2.a.) Blick des Klienten
Hier stellst du deine Stellvertreter aus dem Gefühl heraus auf das Schachbrett.
2.b.) Blick aus dem Unterbewusstsein
Hier wird mit dem Muskeltest ausgetestet, welcher deiner Stellvertreter auf welchen Platz des Schachbretts gestellt wird und mit welcher Blickrichtung. Dein Unterbewusstsein zeigt also auf, was wichtig ist.
2.c.) Blick des Klienten mit Überprüfung aus dem Unterbewusstsein
Als erstes stellst du deine Stellvertreter aus dem Gefühl heraus auf das Schachbrett. Anschliessend wird mit dem Muskeltest ausgetestet. Meist zeigt sich eine Verschiebung der Stellvertreter. Diese Variante ist also eine Mischung aus den beiden obigen Varianten.
Mit dem Schachbrett kann vieles aufgezeigt werden. Es kann dein persönliches Thema sein, die Aufstellung deiner Familie (Familienthemen, Familienkonflikte) oder auch die Aufstellung der inneren Anteile.
3. Aufstellung mit Stühlen
Hier erhältst du verschiedenen Stühle zur Auswahl. Einer davon ist dein Stellvertreter (ICH) und ein anderer wird dein Gegenüber. Das kann beispielsweise sein: Ein Anteil von dir, eine Person, eine Situation, ein Glaubenssatz oder dein Ziel, welches du verfolgst. In dem du jeweils auf dem Stuhl Platz nimmst, gibst du dich in das jeweilige Energiefeld. Du spürst, nimmst wahr, erkennst.
Foto von Allec Gomes auf Unsplash
Bei allen drei Varianten wirst du von mir als Kinesiologin begleitet. Ich gebe dir den Raum, stelle bewusste Fragen und ermögliche dir, einen neuen Blickwinkel auf dein Thema zu bekommen. Nach dem Aufstellen gehen wir bewusst in eine stärkende und ausgleichende kinesiologische Balance, um dein gewünschtes Ziel auf allen Ebenen deines Selbst zu integrieren.
All das geschriebene hört sich nach sehr viel Theorie an. Zuerst musste ich auch schmunzeln, als ich die Plüschtiere auf dem Schachbrett sah. Ich merkte jedoch schnell, dass beim Aufstellen deiner inneren Themen, sehr viel passiert. Emotionen, Gefühle und Gedanken, welche bis dahin im Inneren waren, bekommen plötzlich Raum im Aussen. Das ist neu – manchmal auch beängstigend. Es wirkt jedoch auch befreiend und es ist eine wahnsinnige Technik, um deine Themen anzuschauen. Man erkennt, wo etwas nicht stimmig ist. Man spürt, was schon lange gespürt werden wollte. Man sieht hin. Das allein, ist sehr heilsam. Und zu der Stuhlarbeit sei dir gesagt; Ja – ich dachte auch; „Das ist doch nur ein Stuhl.“ Aber nein. Du wirst zu diesem Stuhl. Auch diese Methode kann dich erkennen lassen, was tief in dir verborgen war.
Einblick aus meiner Erfahrung
Gerne möchte ich mit euch eine persönliche Erfahrung teilen. Vielleicht könnt ihr euch danach auch etwas besser vorstellen, wie mit dem Schachbrett gearbeitet werden kann.
Im kinesiologischen Vorgespräch erzählte ich, dass ich stets ein ungutes und gestresste Gefühl habe, wenn es um das Thema Essen geht. Seit ich denken kann, ist das so. Entweder ass ich zu wenig. Oder ich ass zu viel. Ich hatte immer das Gefühl, wie ich es auch machte, nie war es richtig. Immer wenn der Teller vor mir stand, spürte ich, wie von hinten und um mich herum (in einem Halbkreis) eine Woge der negativen Gefühle über mir hereinbrach.
Wir machten die Aufstellungsvariante „Blick aus dem Unterbewusstsein“ mit der „Aufstellung der Familie“. Anhand einer Übersicht testeten wir mit dem Muskeltest aus, wie viele Personen aus meiner Familie auf dem Schachbrett aufgestellt werden sollten. Ich war überrascht, es waren auch Personen dabei bis zu der 7. Generation zurückliegend (150 Jahre). Mit dem Muskeltest wurden diese Stellvertreter (Plüschtiere) nun zusammen mit meinem Stellvertreter (ICH) auf dem Schachbrett aufgestellt. Mein Unterbewusstsein hatte ab nun das Sagen.
Von aussen betrachtet, nahm ich noch nicht sehr viel wahr. Ich fand, es ist einfach sehr viel los auf diesem Schachbrett.
Bewusst stellte ich mich in das Feld, in dem mein Stellvertreter stand (ICH). Ich stand eher am Rand des Bretts und sah in eine Richtung, um vom Schachbrett runterzukommen. Ich spürte wieder das negative, gestresste Gefühl, welches mich immer von hinten überkommt, wenn ich einen Teller vor mir stehen habe. Ich drehte mich auf dem Feld um und ich schluckte.
Hinter mir, in einem Halbkreis angeordnet, standen alle Familienmitglieder. Ich fühlte mich umzingelt. Ich begriff in diesem Moment, dass das Thema Essen, stets von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ich spürte, dass ich mit ihnen verbunden war.
Meine Kinesiologin und ich begaben uns in die kinesiologische Balance. Während des Prozesses spürte ich, dass ich diese Verbindungen in Gedanken liebevoll kappen wollte.
Ich sah dicke, grüne Verbindungen zu meinen Familienmitgliedern und nahm in Gedanken eine Gartenschere und band die Verstrickungen durch. Allen Familienmitglieder dankte ich von Herzen. Das alles fand zwar „nur“ in meinem Kopf statt, aber ich kann euch sagen, dass dies sehr heilsam war. Ich hatte das Gefühl, ich konnte das erste Mal seit langem wieder richtig atmen.
Nun und was soll ich sagen; ich hatte seit dem Moment nie mehr das Gefühl, dass eine negative Welle mich von hinten überrollt, wenn ich einen Teller Essen vor mir stehen habe.
Foto von Nick Fewings auf Unsplash
Mein Erlebnis ist eine Variante, wie mit der Systemischen Arbeit gearbeitet werden kann.
Ich finde die Verbindung zusammen mit dem kinesiologischen Muskeltest unglaublich spannend und bereichernd.
Wenn auch du interessiert daran bist, diese Aufstellung mal auszuprobieren, so darfst du dich sehr gerne bei mir melden. Es wäre mir eine grosse Ehre, dich auf deinem Weg zu begleiten.
Herzlich, eure Melanie
Foto von Debby Hudson auf Unsplash

